Lockdown und Ausgangsbeschränkungen betreffen natürlich auch den Eishockey-Nachwuchs. Jocke Andersson lädt Kitzbühels Youngsters aber dreimal pro Woche zum virtuellen Training – mit Erfolg.

Schauplatz Sportpark, im 15 Quadratmeter kleinen Büro von Youngsters-Cheftrainer Jocke Andersson; die Szene wirkt unwirklich: Zwei Adler-Cracks performen sich die Seele aus dem Leib, der eine mit Schläger und Ball, der andere beim Workout. Vor ihnen ein Laptop mit Kamera, oberhalb von ihnen ein großer Screen. Auf dem Bildschirm sind 15 Nachwuchshoffnungen des EC Kitzbühel zu sehen, wie sie sich in den elterlichen Wohnzimmern zwischen Couch und Esstisch auspowern. „Bravo Boys, weiter so!“, ruft Mario Ebner (verantwortlich für die Laufschule) den Youngsters zu, ehe sich eine Stimme aus dem Hintergrund des unscheinbaren Zimmers meldet: „Ten seconds, five seconds”. Der Herr über die Uhr ist Jocke Andersson. Er überwacht die exakte Dauer aller Übungen und – nicht minder wichtig – die Pausen.

Willkommen beim Training des Kitzbüheler Eishockey-Nachwuchses während des Lockdowns. Die Eishalle ist vorerst noch bis 6. Dezember Sperrgebiet – für alle, bis auf die Kampfmannschaft in der AHL. Den Nachwuchs möchten Jocke Andersson, Mario Ebner und Josi Riener (Jockes Assistant-Coach) aber auch in dieser Ausnahmesituation nicht vernachlässigen. Daher „trifft” man sich dreimal pro Woche via Zoom zum virtuellen Trockentraining – bestehend aus Stickhandling und einem Workout.

„Ich versuche allem etwas Positives abgewinnen zu können, auch der Corona-Situation”, sagt Berufsoptimist Jocke Andersson. „Natürlich hätten wir die Youngsters gerne hier bei uns im Sportpark und auf dem Eis. Aber im Moment ist das virtuelle Training via Zoom das Beste, was wir machen können. Es ist sicher für alle und wir können planen – zumindest einmal bis zum 6. Dezember, wenn der Lockdown enden könnte”, blickt der Schwede dezent in die Zukunft.

„Mario, Josi und ich wollen den Kindern durch unser Zoom-Training auch zeigen, dass wir während des Lockdowns und der Ausgangssperre nicht aufgehört haben mit Eishockey! Im Gegenteil – wir sind immer für die Youngsters und für euch da”, sagt der 40-jährige Cheftrainer des Eishockey-Nachwuchses. Und etwas ist Jocke Andersson noch viel wichtiger als sein Lieblingssport: „Uns geht es mit dem Zoom-Training nicht nur um Eishockey, sondern vor allem darum, dass sich die Kids während des Lockdowns bewegen und gesund bleiben.”

Die Resonanz unter den Youngsters ist gut, die Zahl der regelmäßigen Teilnehmer zufriedenstellend. Der zehnjährige Lenny ist immer mit dabei: „Das Zoom-Training gefällt mir eigentlich ganz gut, weil Mario und Josi das super mit uns machen. Am liebsten hab ich Josis Part.” Dass es auf dem Eis cooler ist, steht nicht zur Diskussion. Da ist die Meinung der Kids einhellig: „In der Halle ist das Training zwar anstrengender, aber noch viel geiler”, sagt Lenny, der in der U11 Verteidiger ist. Lukas ist ganz Lennys Meinung – nichts geht über das Eistraining, „aber ich bin froh, dass wir trotzdem trainieren können”, sagt der Elfjährige, der in der U13 verteidigt. Und was mag Lukas beim Training daheim am liebsten? „Das Stickhandling gefällt mir sehr gut und, dass wir Ausdauerübungen machen.”

Jocke Andersson fehlt der direkte Kontakt zu seinen Nachwuchs-Cracks, aber auch jetzt gibt es immer wieder „magic moments” für ihn: „Ein Vater hat mir geschrieben ,Mein Sohn geht zur Oma, aber er nimmt Laptop, Schläger und einen Ball mit, damit er das Training nicht verpasst.’ So etwas lässt mein Herz höher schlagen.”

Und auch Adler-Nachwuchsleiter Gerhard Eilenberger zeigt sich mit dem innovativen Trainerteam und den Youngsters sehr zufrieden: „Distance-Training ist eine Super-Idee unserer Nachwuchstrainer. Sie hilft uns, die Kinder dem Sport zu erhalten und kann auch als Sozialprojekt gesehen werden, um unseren Jung-Adlern die Zeit im Lockdown mit Bewegung und Spaß zu verkürzen!“

Text/Bild: alpinguin & Privat